Die dunkele Seite der KI’s.
Der Hype um Künstliche Intelligenz (KI, englisch: Artificial Intelligence, AI) scheint seinen Zenit überschritten zu haben? Während die Versprechen der Tech-Branche noch vor kurzem grenzenlos erschienen, mehren sich inzwischen die Anzeichen für Ernüchterung, Betrug und Qualitätsprobleme. Besonders deutlich wird dies am Beispiel von Builder.ai, das im Handelsblatt (Wochenende, am 9. Juni) als Paradefall für „vorgetäuschte Intelligenz“ beschrieben wurde. Die Firma versprach, blitzschnell und vollautomatisch per KI zu arbeiten – in Wahrheit arbeiteten jedoch hunderte Entwickler in Indien im Hintergrund.
Solche Fälle zeigen: KI kann längst nicht alles, und oft geht es vor allem ums Geld. Unternehmen stellen ihre Leistungen als „sauber“ und „schnell“ durch KI dar, während tatsächlich menschliche Arbeit dahintersteckt. Der KI-Hype droht, uns zu täuschen und menschliche Kreativität als langsam oder wertlos abzutun. Doch wer behauptet das – und warum? Es ist Zeit, die Schattenseiten der KI-Industrie genauer zu beleuchten.
Künstliche Intelligenz: Vorgetäuschte Intelligenz, Betrug, Klagen und dunkle Tendenzen
1. AI Washing: Wenn Unternehmen KI nur vortäuschen
Der Begriff „AI Washing“ beschreibt das Phänomen, dass Unternehmen ihre Produkte als KI-basiert bewerben, obwohl sie in Wahrheit auf menschlicher Arbeit beruhen oder nur einfache Automatisierung bieten. Die Motivation ist klar: Startups, die „AI“ im Pitch erwähnen, erhalten bis zu 50 % mehr Investitionen. 2023 erwähnten über 1000 Unternehmen KI in ihren Quartalsberichten – 2013 waren es nur 36. Die US-Börsenaufsicht SEC hat bereits mehrere Unternehmen wegen irreführender KI-Versprechen mit Bußgeldern belegt.
Beispiele:
Coca-Cola: Die neue Y3000-Getränkesorte wurde als „mit KI co-kreiert“ beworben, ohne dass klar war, wie KI tatsächlich beteiligt war.
Builder.ai: Das Unternehmen versprach KI-gestützte Softwareentwicklung, beschäftigte aber tatsächlich hunderte Entwickler in Indien, die die Arbeit manuell erledigten. Die angebliche KI-Assistentin „Natasha“ war im Wesentlichen ein Chatbot, der Aufgaben an Menschen weiterleitete.
Kaedim: Das Startup behauptete, 2D-Bilder per KI in 3D-Modelle umzuwandeln – tatsächlich erledigten Menschen die Arbeit.
2. Betrug und schlechte KI-generierte Webseiten nehmen zu.
Mit dem Boom generativer KI ist auch die Zahl schlechter, automatisiert erstellter Webseiten explodiert. Diese „AI Slop“-Seiten sind oft inhaltsleer, fehlerhaft und dienen nur dazu, Werbeeinnahmen zu generieren. Viele dieser Seiten verbreiten Falschinformationen, sind voller Clickbait und bieten keinerlei Mehrwert. NewsGuard fand über 140 Marken, die unwissentlich auf solchen Seiten warben.
3. Der Fall Builder.ai: Betrug, Pleite und „Fake AI“
Builder.ai ist ein Paradebeispiel für die Risiken von AI Washing und Finanzbetrug:
Konsequenzen: Nach der Aufdeckung der Manipulationen und der Pfändung von 37 Mio. Dollar durch einen Gläubiger war das Unternehmen zahlungsunfähig und meldete im Mai 2025 Insolvenz an. US-Behörden ermitteln wegen Wertpapierbetrugs.
Finanzielle Manipulation: Das Unternehmen gab 2024 einen Umsatz von 220 Mio. Dollar an, tatsächlich waren es nur etwa 50 Mio. Dollar. Durch ein „Round-Tripping“-Schema mit VerSe Innovation wurden gegenseitig Rechnungen für nicht erbrachte Leistungen ausgestellt.
Vorgetäuschte KI: Die Plattform wurde als KI-getrieben vermarktet, tatsächlich arbeiteten hunderte Entwickler in Indien an den Projekten. Die KI-Assistentin „Natasha“ war ein simpler Chatbot.
4. Klagen und Skandale: Medien, Autoren und Filmstudios gegen KI-Firmen
Zahlreiche Medienhäuser, Autoren und Filmstudios wie Disney und Universal klagen gegen KI-Unternehmen wie OpenAI und Microsoft. Der Vorwurf: Inhalte wurden ohne Genehmigung genutzt, um KI-Modelle zu trainieren. Die New York Times hat eine Klage eingereicht, die im März 2025 von einem US-Gericht zugelassen wurde. Auch prominente Autoren wie Sarah Silverman fordern Schadensersatz wegen Urheberrechtsverletzungen. Disney und Universal werfen KI-Unternehmen vor, urheberrechtlich geschützte Inhalte aus Filmen und Serien ohne Lizenz verwendet zu haben, um KI-Modelle zu trainieren.
Fazit
Der KI-Hype hat viele Erwartungen geweckt – und ebenso viele Enttäuschungen produziert. Betrug, Blender und vorgetäuschte Intelligenz sind keine Einzelfälle, sondern Ausdruck eines Marktes, in dem Schein oft mehr zählt als Sein. Der Fall Builder.ai zeigt, wie weit die Täuschung gehen kann. Es ist höchste Zeit, die Versprechen der KI-Branche kritisch zu hinterfragen und den Wert menschlicher Kreativität wieder ins Zentrum zu rücken.